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Eine strategische Partnerschaft zur Förderung der nachhaltigen Landwirtschaft in Entwicklungsländern
Warum landwirtschaftliche Forschung so wichtig ist
Zahlreiche Krisen – ausgelöst von starken Schwankungen der Nahrungsmittel- und Energiepreise, wirtschaftlichen Turbulenzen und der Besorgnis über den weltweiten Klimawandel – läuten eine neue Zeit der Herausforderungen und Möglichkeiten für die Landwirtschaft und das Management natürlicher Ressourcen ein.
Die Krisen betreffen zwar Menschen in allen Teilen der Welt. Doch besonders folgenschwer sind sie für die rund 2,1 Milliarden Menschen, die von weniger als 2 US-Dollar pro Tag leben. Ungefähr drei Viertel dieser Menschen leben in ländlichen Gegenden und ihr Auskommen hängt direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab.
Infolge der höheren Nahrungsmittelpreise müssen arme Verbraucher einen größeren Teil ihres dürftigen Einkommens für diese Grundbedarfsgüter aufwenden, was ihre Möglichkeiten zur Verbesserung des Lebensstandards drastisch reduziert.
Durch den Klimawandel werden sich die Wachstumsbedingungen für Nutzpflanzen verschlechtern, was die produktive Kapazität der landwirtschaftlichen Nutzflächen weiter belasten und das für die Armutsreduzierung unverzichtbare Wachstum der Landwirtschaft dämpfen wird. Wissenschaftler schätzen, dass steigende Temperaturen und Veränderungen der Niederschlagsmuster besonders massive Auswirkungen auf den Ackerbau in Afrika südlich der Sahara und in Südasien haben werden.
Höhere Investitionen in die Agrarwissenschaften auf nationaler und internationaler Ebene sind unabdingbar, um diesen neuen und komplexen Herausforderungen zu begegnen. Eine mit ausreichenden Mitteln ausgestattete Forschung kann die nötigen Innovationen zur nachhaltigen Steigerung der Agrarproduktion entwickeln. Davon würden die Armen auf dem Land profitieren, während zugleich natürliche Ressourcen wie Wasser, Wälder und Fischbestände geschützt würden.
Eine langjährige strategische Partnerschaft
Die 1971 gegründete Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung (Consultative Group on International Agricultural Research, CGIAR) ist eine strategische Partnerschaft verschiedener Geber, die 15 internationale Zentren unterstützt und mit Hunderten staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen sowie Privatunternehmen in aller Welt zusammenarbeitet. Zu den CGIAR-Gebern zählen sowohl Entwicklungs- als auch Industrieländer, internationale und regionale Organisationen sowie private Stiftungen.
Geleitet von der Vision, die Armut und den Hunger in der Welt zu reduzieren, die Gesundheit und Ernährung der Menschen zu verbessern und die Ökosysteme durch hochwertige internationale Agrarforschung, Partnerschaften und Führung zu schützen, nutzt die CGIAR bahnbrechende Forschungen, um das nachhaltige landwirtschaftliche Wachstum zu fördern, das den Armen zugute kommt. Die neuen Nutzpflanzensorten, Erkenntnisse und sonstigen Produkte, die aus den kooperativen Forschungsbemühungen resultieren, werden Personen und Organisationen zur Verfügung gestellt, die sich weltweit in der nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft engagieren.
Elf der CGIAR-Zentren unterhalten internationale Genbanken. Diese bemühen sich um die Erhaltung und Bereitstellung einer großen Vielfalt von pflanzengenetischen Ressourcen, welche die Grundlage für die weltweite Ernährungssicherheit bilden.
Darüber hinaus hat die CGIAR mehrere innovative „Challenge-Programme“ aufgelegt, die das Ziel haben, ernst zu nehmenden globalen oder regionalen Problemen zu begegnen. Diese Programme werden durch weitreichende Forschungspartnerschaften umgesetzt und nutzen Wissen, Technologie und Ressourcen, um Probleme wie z. B. Mikronährstoffdefizite, die weltweit mehr als drei Milliarden Menschen betreffen, die Wasserknappheit, von der bereits ein Drittel der Weltbevölkerung betroffen ist, oder den Klimawandel anzugehen, der eine massive Bedrohung für die Lebenshaltung der Landbevölkerung in Entwicklungsländern weltweit darstellt.
Im Jahr 2009 beliefen sich die Ausgaben der CGIAR auf 572 Millionen US-Dollar. Das ist die größte Einzelinvestition zur Mobilisierung der Wissenschaft zugunsten der armen Landbevölkerung weltweit. Die weltweite Ernährungskrise im Jahr 2008 rückte die Landwirtschaft wieder auf ihren rechtmäßigen Platz ganz oben auf der entwicklungspolitischen Agenda und war der Auslöser für ein erneutes Bekenntnis zur Agrarforschung in den jüngsten Erklärungen der führenden Regierungschefs der Welt im Rahmen des G8-Gipfels und des hochrangigen Gipfels zur Ernährungssicherheit.
Die Wissenschaftler der CGIAR erzielen seit vielen Jahren Ergebnisse, die das Leben der Menschen verbessern und zum Schutz der Umwelt beitragen. Ohne öffentliche Investitionen in die internationale Agrarforschung durch die CGIAR:
- wäre die weltweite Nahrungsmittelproduktion 4-5 Prozent geringer
- würden Entwicklungsländer 7-8 Prozent weniger Nahrungsmittel produzieren
- wären die weltweiten Nahrungs- und Futtermittelpreise 18-21 Prozent höher
- wären 13-15 Millionen mehr Kinder fehlernährt.
Für jeden in die Forschungsarbeit der CGIAR investierten US-Dollar werden in den Entwicklungsländern, also dort, wo sie am dringendsten benötigt werden, zusätzliche Nahrungsmittel im Wert von 9 US-Dollar produziert. Das beweist eindeutig: Agrarwachstum lindert die Armut und den Hunger. |
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Verteilung der CGIAR-Finanzmittel nach Entwicklungsregion 2009
- Afrika südlich der Sahara - 48%
- Asien - 32%
- Lateinamerika & Karibik - 11%
- Zentral- und Westasien & Nordafrika - 9%
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Eine neue CGIAR
Im Dezember 2009 führte die CGIAR ein neues institutionelles Modell ein, um die Weitergabe von Forschungsergebnissen in einem sich rasch verändernden externen Umfeld zu verbessern. Die Reformen sollten zur Entstehung einer stärker ergebnisorientierten Forschungsagenda, klareren Verantwortlichkeiten in allen Teilen der CGIAR und rationelleren Führungsstrukturen und Programmen führen. Das neue Modell besteht aus einer ausgewogenen Partnerschaft zwischen Gebern und Forschern (siehe Abbildung 1), die im Laufe des Jahres 2010 begründet wird. Ein neuer CGIAR-Fonds wird die Finanzierung qualitativ und quantitativ verbessern, indem er die Beiträge der Geber harmonisiert. Zugleich wird ein neues Konsortium die Zentren unter dem Dach einer rechtlichen Einheit zusammenführen. Diese bietet dem Fonds eine zentrale Anlaufstelle, um die Zentren und andere Partner mit der Durchführung von Forschungsarbeiten zu beauftragen.
Die CGIAR-Zentren gehen zunehmend zu einem eher programmatischen Ansatz über und werden in einem „Strategie- und Ergebnisrahmen“ (Strategy and Results Framework) operieren, dessen Ziel die Stärkung der Zusammenarbeit zum Zwecke einer größeren Effizienz und deutlicherer Entwicklungseffekte ist. Es wird ein Portfolio von „Mega-Programmen“ entwickelt werden, die Wissenschaftlern und Partnern der CGIAR neue Mittel zur Bereitstellung internationaler öffentlicher Güter bieten, die den größten weltweiten entwicklungspolitischen Problemen begegnen.
Ein unabhängiger Wissenschafts- und Partnerschaftsrat (Independent Science and Partnership Council, „ISPC“) wird der CGIAR mit Empfehlungen und Sachkenntnis maßgeblich zur Seite stehen.
Die neue CGIAR wird stärkere, dynamischere Partnerschaften fördern, die hochwertige Forschungsergebnissen hervorbringen, und zugleich die nationalen Forschungsinstitute und -einrichtungen stärken. Die Stakeholder, darunter Geber, Partner und Begünstigte, werden sich an der Ausgestaltung der Strategie- und der Mega-Programme mitwirken. Die Global Conference on Agricultural Research for Development (GCARD) stellt eine wichtige Gelegenheit dar, um Endbenutzer, darunter Bauern, Forstnutzer und Fischer sowie die nationalen Agrarforschungssysteme (NARS) in die Entwicklung neuer Forschungsprogramme einzubinden.
Figure 1: A balanced partnership |
Abbildung 1: Eine ausgewogene Partnerschaft |
Global Conference on Agricultural Research for Development |
Global Conference on Agricultural Research for Development |
Management |
Management |
Oversight |
Aufsicht |
Consortium |
Konsortium |
Board |
Direktorium |
Research centers |
Forschungszentren |
Consortium office |
Büro des Konsortiums |
Strategy and Results Framework |
Strategie- und Ergebnisrahmen |
Performance Agreements |
Leistungsvereinbarungen |
Monitoring and Evaluation Framework |
Überwachungs- und Auswertungsrahmen |
Independent Science and Partnership Council |
Unabhängiger Wissenschafts- und Partnerschaftsrat |
Fund |
Fonds |
Fund Council |
Fondsrat |
Trustee |
Treuhänder |
Fund Office |
Fondsbüro |
Funders Forum |
Funders Forum |
Vorteile für die Armen und die ganze Erde
Die internationale Agrarforschung liefert nachweislich hervorragende Ergebnisse, die dazu beitragen, den zentralen Entwicklungs- und Umweltproblemen unserer Zeit zu begegnen.
Die von der CGIAR unterstützten Zentren und deren Partner haben bei der Reduzierung des Hungers in der Welt und der Steigerung der Einkommen von Kleinbauern in vielen Entwicklungsländern signifikante Verbesserungen bewirkt. Ihre kooperative Forschung trägt zu einer höheren landwirtschaftlichen Produktivität bei und geht eine Vielzahl von Problemen im Zusammenhang dem Wassermanagement, der Artenvielfalt, Wäldern, Fischbeständen und der Landnutzung an. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit haben die Erhaltung und das nachhaltige Management natürlicher Ressourcen vorangebracht und so Millionen Hektar Wald und Grasland geschützt, die Artenvielfalt bewahrt und die Bodendegradation verhindert.
Hier einige Beispiele der Forschungsergebnisse:
- Erfolgreiche biologische Kontrolle der Maniok-Schmierlaus und der grünen Maniokspinnmilbe, zwei sehr zerstörerischen Schädlingen eines wichtigen Grundnahrungsmittels in Afrika südlich der Sahara. Der ökonomische Nutzen allein dieser Arbeit wird auf mehr als 4 Milliarden US-Dollar geschätzt und reicht aus, um fast die gesamten Kosten der CGIAR-Forschungsarbeit, die bislang für Afrika geleistet wurde, zu decken.
- Neue Reissorten für Afrika, sog. NERICAs, die die hohen Erträge asiatischer Reissorten mit der Widerstandsfähigkeit des afrikanischen Reises gegen örtliche Schädlinge und Krankheiten kombinieren. NERICAs, derzeit auf mehr als 200.000 Hektar in höher gelegenen Gebieten ausgesät, helfen bei der Reduzierung der nationalen Reisimportkosten und bei der Generierung höherer Einkommen in ländlichen Gemeinden.
- Mehr als 50 verschiedene Arten neu entwickelter dürreresistenter Maissorten werden auf insgesamt ca. 1 Million Hektar in Ost- und Südafrika angebaut.
- Eine überschwemmungsresistente Art einer Reissorte wird in weiten Teilen Bangladeschs und Indiens angebaut. Die neuen Sorten ermöglichen Bauern bei längerer Überschwemmung der Reisfelder, was aufgrund des Klimawandels immer häufiger vorkommen wird, zwei bis drei Mal höhere Erträge als mit nichtresistenten Sorten.
- Weit verbreitete Annahme der ressourcensparenden Zero Till-Technologie (Landwirtschaft ohne Pflügen) in den lebenswichtigen Reis- und Weizensystemen Südasiens. Diese Technologie wird von knapp einer halben Million Bauern auf mehr als 3,2 Millionen Hektar angewendet und hat durch höhere Ernteerträge, geringere Produktionskosten sowie Wasser- und Energieeinsparungen bereits einen geschätzten Nutzen von 147 Millionen US-Dollar erbracht.
- Ein Agrarforstsystem namens „Düngebaumbrachen“ zur Erneuerung der Bodenfruchtbarkeit im südlichen Afrika unter Einsatz von Ressourcen, die auf den Bauernhöfen bereits zur Verfügung stehen. Mehr als 66.000 Bauern haben diese Technologie in Sambia übernommen, wo die Nahrungsmittelsicherheit dadurch verbessert und Umweltschäden reduziert werden konnten. Das System wird derzeit auf vier Nachbarländer ausgeweitet.
- Von Umweltschützern zur Überwachung von ca. 37 Millionen Hektar Wald verwendete Informationen und Hilfsmittel, die zu einem besseren Management dieser immer selteneren Ressource führen und zu einem nachhaltigeren Lebensunterhalt für Waldbewohner beitragen.
- Entwicklung einer neuen Methode zum Nachweis von Aflatoxin, einem tödlichen Gift, das Nutzpflanzen infiziert und für den Konsum vor Ort oder den Export unbrauchbar macht, die Bauern im gesamten Afrika südlich der Sahara zugute kommt. Diese Technologie konnte in Kombination mit einer neuen biologischen Kontrollmethode Aflatoxin nachweislich um fast 100 Prozent reduzieren und hilft, diese insbesondere für Kinder gefährliche Gesundheitsbedrohung zu reduzieren und dabei Millionen von US-Dollar an Umsatzeinbußen infolge geringerer Nahrungsmittelexporte einzusparen.
- Eine einfache Methode zur Integration von Landwirtschaft und Aquakultur zur Steigerung der Einkommen und Nahrungsmittelvorräte im südlichen Afrika, wo die Anzahl der erwerbsfähigen landwirtschaftlichen Arbeitskräfte durch die verheerende HIV/AIDS-Epidemie stark abgenommen hat. Bei der groß angelegten Erprobung in Malawi konnte die Methode das Einkommen von 1200 Haushalten verdoppeln und den Verzehr von Fisch dramatisch steigern.
- Neue Ansätze zur Prognose der wahrscheinlichen Auswirkungen des Klimawandels auf die wichtigsten Nutzpflanzen und verwandter Wildsorten. Diese Hilfsmittel liefern wichtige Erkenntnisse für Bemühungen zur Verbesserung der Klimabeständigkeit der Landwirtschaft in Entwicklungsländern.
- Steigerung der Kleinmolkereiproduktion in Kenia zur Verbesserung der Ernährung von Kindern bei gleichzeitiger Schaffung von Arbeitsplätzen. Durch die preisgekrönte Zusammenarbeit mit Kleinmolkereien haben die Erzeugnisse einen Anteil von bis zu 80 Prozent an den im Land verkauften Milchprodukten.
Von der CGIAR unterstützte Zentren
Die CGIAR verfügt heute über mehr als 8.000 Wissenschaftler und Mitarbeiter in über 100 Ländern. Nachfolgend sind die 15 von der CGIAR unterstützten Zentren aufgeführt. Dreizehn der CGIAR-Zentren befinden sich in Entwicklungsländern.
Africa Rice Center (AfricaRice)
Cotonou, Benin
www.africaricecenter.org
Bioversity International
Maccarese, Rom, Italien
www.bioversityinternational.org
Internationales Zentrum für tropische Landwirtschaft (CIAT, Akronym im Spanischen)
Cali, Kolumbien
www.ciat.cgiar.org
Center for International Forestry Research (CIFOR)
Bogor, Indonesien
www.cifor.cgiar.org
Internationales Zentrum zur Verbesserung von Mais und Weizen (CIMMYT, Akronym im Spanischen)
Texcoco, Mexiko
www.cimmyt.org
Internationales Kartoffelzentrum (CIP, Akronym im Spanischen)
Lima, Peru
www.cipotato.org
International Center for Agricultural Research in the Dry Areas (ICARDA)
Aleppo, Syrien
www.icarda.org
International Crops Research Institute for the Semi-Arid Tropics (ICRISAT)
Patancheru, Andhra Pradesch, Indien
www.icrisat.org
International Food Policy Research Institute (IFPRI)
Washington, D.C., USA
www.ifpri.org
International Institute of Tropical Agriculture (IITA)
Ibadan, Nigeria
www.iita.org
International Livestock Research Institute (ILRI)
Nairobi, Kenia, und Addis Abeba, Äthiopien
www.ilri.org
International Rice Research Institute (IRRI)
Los Baños, Philippinen
www.irri.org
International Water Management Institute (IWMI)
Colombo, Sri Lanka
www.iwmi.cgiar.org
World Agroforestry Centre (ICRAF)
Nairobi, Kenia
www.worldagroforestrycentre.org
WorldFish Center
Penang, Malaysia
www.worldfishcenter.org
last updated May 2010
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